Detlef Cordes

Musik & Video

Gerechtigkeit

05. 11. 07 1 Kommentar

Das Lied von Sankt Martin:
(Das Lied zum Tag im Flash Player.)

Ich hab nicht gehauen! Ich hab bloß wiedergehauen! XY hat mich zuerst gehauen!

Diesen Satz habe ich im Kindergarten oft gebraucht. Oft wurde diese Logik ausgedehnt: “XY hat Z gehauen und darum habe ich XY bloß wiedergehauen.” - “Aber du hast mich viel doller gehauen als ich Z gehauen hab!“, sagt XY unter Tränen. “Darum darf ich dich jetzt nochmal hauen.”

Auf Gruppen kann man diese Sichtweise auch ausdehnen: So entstehen Kriege.

3. Mose 24:

17. Wer irgend einen Menschen erschlägt, der soll des Todes sterben.

18. Wer aber ein Vieh erschlägt, der soll’s bezahlen, Leib um Leib.

19. Und wer seinen Nächsten verletzet, dem soll man thun, wie er gethan hat,

20. Schade um Schade, Auge um Auge, Zahn um Zahn; wie er hat einen Menschen verletzet, so soll man ihm wieder thun.

21. Also, daß, wer ein Vieh erschlägt, der soll’s bezahlen; wer aber einen Menschen erschlägt, der soll sterben.

Darauf bezieht sich Jesus in der Berpredigt:

Mathäus 5:

38. Ihr habt gehöret, daß da gesagt ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn.

39. Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben sollt dem Uebel; sondern so dir Jemand einen Streich gibt auf deinen rechten Backen, dem biete den andern auch dar.

40. Und so Jemand mit dir rechten will und deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel.

41. Und so dich jemand nöhtiget eine Meile, so gehe mit ihm zwei.

Ganz ehrlich: Mose liegt mir näher als Jesus. Und möchten Sie, dass Ihre Kinder so erzogen werden: “Wer dir den Rock nehmen will, dem gib auch den Mantel?” Die alltägliche Wahrnehmung ist doch die, dass es genügend Menschen gibt, die Rock und Mantel nehmen ohne mit der Wimper zu zucken - und das letzte Hemd dazu. Die volkstümliche Weisheit dazu lautet: “Wenn du dem den kleinen Finger gibst, dann reißt er dir den Arm ab.

Trotzdem wissen wir: mit “Auge um Auge” kommen wir auf die Dauer nicht weiter. Darum auch die Geschichten von den Heiligen, die dieser Logik widerstanden haben, die den Mantel gaben wie die Lieder von Sankt Martin oder Good King Wenceslas bezeugen.

Das Lied vom Good King Wenceslas:
(Das Lied zum Tag im Flash Player.)

Aber: sind Martin und Wenceslas nicht eher Extreme als Ideale? Geht es nicht eher darum, einen Mittelweg zu finden zwischen “Auge um Auge” und dem Darbieten der anderen Wange, dem Darreichen des Mantels?

Tags: Menschen

1 Kommentar bis jetzt ↓

  • 1 In Gethsemane // Nov 5, 2007 at 8:20 am

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