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Das Lied vom Migrationshintergrund:
Vor der Ampel sind wir alle gleich.
Ob Mann oder Frau, ob arm ob reich.
Wir finden alle deas Wetter schlecht.
Und auch die Politik ist uns meist nicht recht.
Ich komm von hier, du kommst von da, die Welt ist rund:
wir haben alle Migrationshintergrund.
Wir müssen alle Steuern zahlen,
aber manche dürfen nicht zu den Wahlen.
Dafür brauchen sie nicht zum Bund,
doch auch anderswo ist der Bund ungesund.
Ich komm von hier, du kommst von da, die Welt ist rund:
wir haben alle Migrationshintergrund.
Wir sitzen gemeinsam im Büro,
der gleiche Sender macht uns froh.
Manchmal da ist´s nicht leicht, du weisst,
der Chef geht allen auf den Geist,
ich komm von hier, du kommst von da, die Welt ist rund:
wir haben alle Migrationshintergrund.
© 2008 Detlef Cordes – Alle Rechte vorbehalten.
Wir haben alle Migrationshintergrund – zum Glück! Denn was wäre, wenn unsere Vorfahren immer an Ort und Stelle geblieben wären?
Das Wort “Migrationshintergrund” gefällt mir nicht: es klingt, als ob die Migration ein gefährliches Monster wäre, das im Hintergrund so mancher Biographie schlummert. Oder der Hintergrund, der dafür verantwortlich ist, dass im Vordergrund etwas nicht stimmt.
Na klar: hier wird versucht, einen Sachverhalt zu beschreiben. Das ist auch legitim. Nicht legitim ist es, Menschen in Schubladen zu stecken. Jeder Mensch hat sein eigenes Schicksal. Jeder Mensch hat seine eigene Geschichte. Jedem Menschen seinen eigenen Hintergrund.
11 responses so far ↓
1 Pulcina // Feb 2, 2008 at 7:28 am
Gerade vor ein paar Tagen habe ich meinen Mann darauf aufmerksam gemacht, dass mir dieses Wort überhaupt nicht gefällt…. An sich hat auch das Wort “Ausländer” nichts Schlimmes. Es bedeutet einfach “aus dem Ausland”. Es ist aber eher die Art und Weise, wie man mit Worten umgeht, das Problem. “Migrationshintergrund” ist kein besseres Wort, um die gleiche Bedeutung zu beschreiben und ich freue mich über Ihre Worte, weil ich meine Gefühle nicht besser hätte beschreiben können. Vielen Dank…
2 Detlef // Feb 2, 2008 at 8:42 am
Danke Pulcina, das freut mich sehr.
Ich denke auch, dass es der Kontext ist, der die Bedeutung eines Wortes bestimmt. Wenn man lediglich das Wort austauscht, hat man noch nichts erreicht.
3 Aufenthaltserlaubnis: Leben auf Halbjahrsbasis // Mar 9, 2008 at 1:43 am
[...] wird in Deutschland viel über sogenannte “Ausländer” oder Menschen mit “Migrationshintergrund ” gesprochen. Wie sind deren alltägliche [...]
4 Michael Moore - California // Apr 8, 2008 at 9:15 am
Sollte ich irgendwann mal eine Doktorarbeit schreiben, so ist ‘Der Schädliche Einfluss von Euphemismen auf die Weltgeschichte’ sicher ein möglich Titel.
Hallo und guten Tag aus California,
Ich bin vor zwei Jahren hier gelandet und habe jetzt also auch ‘Migrationshintergrund’ – manchmal mehr als mir lieb ist. Und wo wir bei ‘mehr als uns lieb ist’ sind – die politisch korrekte Sprache wird sicher noch schlimmer werden. Hier in den Staaten besteht alles was kontrovers sein könnte nur noch aus Euphemismen. PC ‘politically correct’ ist manchmal wichtiger, als die eigentliche Aussage. Aber das passt ja auch, denn wer ständig nur aufpasst, nicht etwas falsches zu sagen, der hört ja vielleicht endlich auf überhaupt zu reden. Das hätte unseren Politikern doch gerade so gepasst, wo doch ‘PC’ so schön vom eigentlichen Thema ablenkt…
5 Detlef // Apr 9, 2008 at 9:10 am
@Michael Moore: Ich denke es geht bei der political correctness darum, durch die gewählte Sprache Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe und deren Code zu signalisieren. Es geht nicht um ein gesellschaftliches Problem, sondern um die Vergewisserung des eigenen Standpunktes, der eigenen sozialen Heimat.
Wer in bestimmten Gruppen gegen diesen Code verstößt, ist draußen. Darum ist es so wichtig, politsch korrekt zu erscheinen.
6 Karl // Apr 10, 2008 at 3:50 am
“Migrationshintergrund” ist kein Euphemismus. Ein Euphemismus beschönigt etwas, wie z.B. “Entsorgungspark” für Müllkippe.
7 Michael Moore - California // Apr 10, 2008 at 12:50 pm
Hallo Karl,
In der Definition des Begriffes muss ich Dir recht geben, aber in der Anwendung dieser Begriffe in Politik und Medien findet sich dann doch die “Verhüllung”. Immigranten und Ausländer mit all ihren Problemen und mit den Vorurteilen gegen die sie täglich anzukämpfen haben, hören sich doch viel besser an, wenn man “ach so fürsorglich” einen Migrationshintergrund aus all den Themen macht. Beschönigung kann auch durch über-Versachlichung geschehen.
8 Detlef // Apr 11, 2008 at 2:25 pm
@Michael: musste bei deinem Kommentar an den Roman “Fürsorgliche Belagerung” von Heinrich Böll denken. Hat schon etwas Zynisches, dieser Sprachgebrauch.
Vor allem aber: wie viele total unterschiedliche “Migrationshintergründe” gibt es. Ich z.B. bin aus einer norddeutschen Klein- in eine norddeutsche Großstadt gezogen. Für mich war das eine gewaltige Migration …
9 Jutta Angerstein // Apr 12, 2008 at 7:16 am
Von Klein- nach Grossstadt ist schon enorm, aber von hessischer Kleinstadt nach Killeen, Texas war Migration und Kulturschock hoch 3.
Um mal den Begriff Euphemismus aufzuschnappen, da ist die USA ja wohl Weltmeister drin. Es ist wirklich schade, vor allem hier, dass man beim Sprechen dauernt aufpassen muss, um nicht irgendwem aufs Fuesschen zu treten, oder gar am Ende als Nazi beschimpft zu werden. Wir Deutschen muessen ja besonders PC sein. Negerkuesse sind nun Schaumkuesse…….wie ist es denn mit unseren 10 kl. Negerlein; ist das Kinderlied schon umgemodelt worden oder etwa ganz unter den Teppich gekehrt?
Gruss aus Texas……Hiha,,,,Jutta
10 Detlef // Apr 13, 2008 at 1:15 am
Hallo Jutta,
“don’t be a German” für “sei kein Spielverderber” ist ja auch nicht besonders PC – und verletzt. Mich jedenfalls. Von “Nazi” nicht zu reden. “Asshole” ist leichter zu ertragen. Vieleicht sind wir alle besonders empfindsam, wo es um die eigene Herkunft geht und wo diese Herkunft andere dazu veranlasst zu sagen: Du gehörst hier nicht dazu.
Das von Dir angesprochene Kinderlied im Kindergarten zu singen ist schwierig, weil da in der Gruppe meistens 1, 2, 3 Schwarze sind, die natürlich wegen ihrer Hautfarbe ständig gehänselt werden, denn Kinder sind nicht pc. Da gießt du dann Öl in das Feuer, das du anschließend als Erziehender mühsam wieder löschen must.
11 Rems // Jan 1, 2009 at 5:17 am
Ich recherchiere für einen Beitrag für eine Fachzeitschrift für Kindergärten und bin zufällig auf Deine witzige und durchaus interessante Webseite gestoßen. Mein Thema ist: “Erwartungen und Wünsche von Eltern mit Migrationshintergrund an Kitas”.
Ich würde Euch gerne zitieren, denn ich finde, dass der Austausch mit Jutta Einiges verdeutlicht. Darf ich das?
Gruß aus Deutschland
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