Der Begriff “Zerschlagungsphantasie” bezeichnet das Phänomen, dass der Aktienkurs eines Unternehmens steigt, wenn darauf spekuliert wird, dass Investoren dieses Unternehmen kaufen, auflösen und in einzelne Teile aufspalten (zerschlagen) könnten.
Ich habe das Wort gestern im Radio im Zusammenhang mit einem deutschen Touristik-Konzern gehört. Manchmal hört man etwas und denkt: “Das kann doch jetzt nicht wahr sein!”
“Zerschlagungsphantasie“. Da ist er wieder, der Raubtier-Kapitalismus, dem wir alle (alle? - alle!) ausgeliefert sind.
Du gehst zur Arbeit, machst deinen Job möglichst gut, bist vielleicht stolz darauf, was du kannst, hast vielleicht jahrelang Kontakte zu Kolleginnen und Kollegen aufgebaut, hast vielleicht deine kleine Familie am Arbeitsplatz - und hörst dann im Radio: Deine Firma soll aufgelöst werden: “Zerschlagungsphantasie“.
Da bekomme ich Zerschlagungsphantasien einer anderen Art. Freiheit ist ein hoher Wert, auch die Freiheit, mit seinem Geld und seinem Eigentum zu machen, was man möchte. Andererseits gibt es auch andere hohe Werte. Die Würde des Menschen sollte unantastbar sein.
Hier wird in Zerschlagungsphantasien über Menschen entschieden, die sich mit ihrer Arbeit ihr Leben aufgebaut haben, die stolz sind auf ihre Leistung, die sich vielleicht sogar mit ihrem Arbeitgeber identifizieren. Die “Wir” sagen, wenn sie von “ihrer” Firma sprechen.
Ich habe mich mit diesen Phänomenen schon in meinem Song “Kaufkraftverlust” beschäftigt:
Du sagst das ist nun mal die Globalisierung,
da kann man halt nichts machen, noch nicht mal die Regierung.
Aber wenn die Regierung da nichts machen kann,
sag mir bitte: wer kann es dann?
“Wer kann es dann?” ist keine rhethorische Frage. Ich weiß es nicht. Weißt du was?
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