Als Kind war ich fasziniert von Spiegeln und von dem, der da im Spiegel war. Ich blockierte ellenlange das Badezimmer und machte Faxen. Das war ich - und auch wieder nicht.

Mit dem Handspiegel meiner Mutter konnte ich mich im großen Badezimmerspiegel mehrfach erzeugen, bis die -zig Spiegelgesichter in einer Schlucht des Dunkel verliefen. Und wenn ich eine Bewegung machte, machten alle Spiegelbilder diese Bewegung mit. Ihr könnt euch vorstellen, dass ich lange im Bad war.
Ich konnte nicht besonders gut zeichen, aber mein Lieblingsmotiv war das von dem Mann, der ein Bild hält, auf dem ein Mann ist, der ein Bild hält, auf dem ein Mann ist …. Bis die Männer so klein waren, dass ich sie nicht mehr zeichnen konnte.
Später las ich die Dialoge des griechischen Philosphen Platon, in denen oft ein Mann auftritt, der von einem Mann erzählt, der eine Geschichte erzählt, in der ein Mann eine Geschichte erzählt …
Als ich an der Uni von der Bodenlosigkeit der Subjektivität hörte wusste ich bescheid: Klar, wie im Badezimmer.
Ich denke, also ist es klar, dass ich da bin.
Aber wer denkt das, was ich denke. Und wer denkt was ich denke, dass ich denke?
Mann, Alter, bist du verkopft!
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